Presse - Forum-Eulenhof

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LANDHAUS-WETTBEWERB - PLATZ 3

Ein Haus zum Feiern

In Rheinhessen sanierte Claudia Ricken das Familienanwesen und wollte dabei möglichst wenig verändern. Sie schuf ein Schmuckstück gelebte Geschichte von fünf Generationen, die sich hier seit jeher zum Feiern treffen.

Wenn im Sommer die Waldohreulen mit ihren bizarren Rufen den Hof bevölkern und zum Ausgleich für ihre starren Augen den Kopf um 270
Grad drehen, ist jedem sofort klar, weshalb das Anwesen im rheinhessischen Eppelsheim Eulenhof genannt wird. Ehemals im Besitz des Klosters Ruppertsberg, wurde das mitten im Dorf stehende Anwesen früher als Bauernhof und dann als Weingut genutzt. Bereits seit fünf Generationen ist es im Besitz der Familie Ricken und wurde seither lediglich von einigen alten Tanten und Onkel fest bewohnt.

Es war schon immer ein Ort der Begegnung. Hier hat sich unsere verstreute Familie getroffen und gefeiert, wenn es einen Anlass gab und genau das soll es auch für alle nachfolgenden Generationen sein, wünscht sich Kieferorthopädin Claudia Ricken, die den Eulenhof 2008 von ihrer Tante erwarb und das Anwesen unter strengen Denkmalschutzauflagen fast drei Jahre lang sanierte.
Alte Schätze kommen ans Tageslicht

Das 240 Quadratmeter große Haupthaus von 1848 ist im französischen Stil erbaut und mit unglaublich viel Bedacht, Liebe zum Detail und Materialien aus der Region wieder hergerichtet worden. Claudia Ricken achtete darauf teilweise auch auf Kosten des Komforts, nichts zu verfremden. So verzichtete sie beispielsweise auf eine zeitgemäße Dämmung, und selbst beim Einsetzen der Fenster wurde nicht etwa handelsüblicher Montageschaum, sondern in Leinöl getränkte Seile verwendet.
Die Steinplatten und Holzböden sind original aufgearbeitet; eine alte Wandzeichnung im Flur, die bei der Renovierung ans Tageslicht kam, versieht ebenfalls wieder ihren dekorativen Dienst. Gekonnt verbindet die Hausherrin Altes mit Neuem. Die urige Bausubstanz wurde nicht etwa verschandelt, sondern erstrahlt in altem Glanz. Grund genug für die Jury des Landhaus-Wettbewerbs von COUNTRY, sie mit dem dritten Platz zu prämieren.

Auch bei der Innenausstattung hatte ich Glück. Alle alten Möbel waren noch im Haus vorhanden, genauso die Türen, die ich auf dem Dachboden gefunden habe. Für die Stühle und Sofas habe ich moderne Stoffe ausgesucht, und diese Verbindung klappt wunderbar, erklärt Claudia Ricken ihr Konzept. Viele Alltagsgegenstände wie ein altes Waffeleisen, das man noch komplett in den Ofen schieben muss, oder eine Handmühle für Kaffee sind ebenfalls noch erhalten und kommen bis heute zum Einsatz. Ein bisschen so, als wäre die Zeit stehengeblieben.

Die Kinder meiner Schwester sind schrecklich gern hier und möchten die alten Geschichten, wie man früher lebte, erzählt bekommen. Den Eulenhof nennen sie Museum und irgendwie haben sie damit auch recht. Ein Museum, in dem man alles anfassen und benutzen darf, sagt Frau Ricken.
Kreuzgewölbe in der Kuhkapelle

Quer über den Hof steht das Herzstück des Anwesens das ehemalige Stallgebäude aus dem Jahr 1810: ein innovativer, fast schon sakraler Stallbau. Eine für Rheinhessen durchaus typische Kuhkapelle. Zur Zeit ihrer Entstehung wurden für die Viehhaltung dringend Stallungen benötigt. Es gab bereits strenge Brandschutzauflagen. Holz sucht man deshalb hier vergeblich. Stattdessen findet man massives Mauerwerk, kreuzgewölbte Decken und Sandsteinsäulen mit kunstvollen Kapitalen. Heute wird die 100 Quadratmeter große Luxusstallung hauptsächlich für private Feiern oder Seminare der Kieferorthopädie-Praxis genutzt. An den Hof schließt sich eine riesige Scheune an, deren schwere Balkenkonstruktion mühevoll restauriert werden musste, damit sie ihren Zweck als Abstellkammer und Weinkeller erfüllen kann. Durch sie muss jeder durchgehen, der auf die große, ummauerte Streuobstwiese den ehemaligen Klostergarten gelangen will. Der Eulenhof ist ein gelungenes Beispiel einer sanften Sanierung. Genau das wünscht sich seine Besitzerin für andere alte Gebäude in der Gegend. Die Leute wissen oft überhaupt nicht, was für Schätze sie haben, und verschandeln sie teilweise mit schrillen Farben, Putz oder modernen Fenstern. Dann macht sie sich in der Küche eine schöne Tasse Tee, setzt sich in den Hof und lauscht in der Dämmerung den Weisheiten der Eulen.

Quelle: Zeitschrift - Country 2/2013 - Landhaus des Jahres
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